Der Schwimmsport in Selb von 1922 bis 1933
Anfang der zwanziger Jahre gab es in Selb einige badebegeisterte Männer, deren Anliegen es war, das Schwimmen als volkstümlichen Sport zu betreiben. Um diesen Gedanken in der Selber Bevölkerung zu verbreiten, sollte ein Verein der Träger dieser Idee werden.
Rasch wurde zur Tat geschritten und Anfang Juli 1922 wurde in der „Zentralhalle“ (heute Gaststätte „Grafenmühle“) der 1. Wassersportverein Selb aus der Taufe gehoben. Die Namen von Gründungsmitgliedern sind uns heute leider nicht mehr bekannt, da im Jahre 1933 alle Protokolle und Akten beschlagnahmt wurden. In mühseliger Arbeit, dazu gehören auch viele Einzelbefragungen, wurde uns die Geschichte des Vereins von 1922 - 1945 von noch lebenden Vereinsmitgliedern geschildert. Dem Berichterstatter sei deshalb verziehen, wenn die Vereinsgeschichte für diesen Zeitraum manchmal lückenhaft aufgezeichnet werden mußte.
Schon 14 Tage nach der Gründung wurde im Grafenmühlweiher das erste Schwimmfest abgehalten. Vom Schwimmverein Hof beteiligten sich gut ein Dutzend Schwimmer und der Werbeeffekt der Veranstaltung wurde durch das Interesse zahlreicher Zuschauer erreicht. Es wurde geschwommen, getaucht und Wasserball gespielt. Die Rettungsvorführungen und die Wiederbelebungsübungen an „Ertrunkenen“ fanden das besondere Interesse der Schaulustigen. Die Mitgliederzahl stieg nun rasch an.
Bald zeigte es sich, daß der „Grafenmühlweiher“ den Anforderungen der Schwimmsportbegeisterten nicht mehr gerecht wurde. Man ging auf die Suche nach einer anderen Übungsstätte. Zu Beginn des Jahres 1923 fand man dann doch das ideale Gewässer für die immer größer werdende Zahl wassersportbegeisterter Selber. Der „Lange Teich“ wurde hinsichtlich seiner Größe und Tiefe, sowie nicht zuletzt wegen seiner einmaligen schönen Lage inmitten der Wälder als ideal gefunden. Besitzer des Teiches war damals die Firma Hutschenreuther.
Nun mußte aus dem Teich eine Sportanlage werden, die den Mindestanforderungen entsprach. Viele freiwillige Arbeitsstunden leisteten die Mitglieder. Freie Wochenenden und Urlaubstage mußten geopfert werden um eine Startbrücke aus Holz entstehen zu lassen. An den Abenden wurden Bäume gefällt, die zu Pfählen hergerichtet und auf primitive Weise in den Teichboden gerammt wurden. Darüber nagelte man Bretter und die erste Startbrücke stand.
Ebenso idealistisch half man zusammen, um Umkleidekabinen zu erstellen. Das Werk wurde gekrönt durch den Bau eines Drei-Meter-Turmes. Das hierfür benötigte Holz mußte vom östlichen zum westlichen Ufer an geflößt werden, denn Anfahrtswege um den Teich gab es noch nicht. Hier an dieser Stelle muß nochmals der Forstverwaltung herzlich Dank für die Überlassung des Holzes gesagt werden, denn unsere finanziellen Möglichkeiten waren in der Inflationszeit nicht gerade groß. Da halfen uns die tschechischen Kronen, mit denen die Besucher des Bades aus Asch bezahlten, denn ein großer Teil der schwimmsportbegeisterten Ascher kam in jedem Sommer zu uns an den „Langen Teich“ und fühlten sich bei uns wohl.



Das Schwimmen wurde darüber nicht vergessen. Der Zulauf wurde immer größer. Mit besonderem Stolz schaut der Verein zurück auf die Damenabteilung, die damals - als sich die Frauen noch etwas genierten im Badeanzug herumzulaufen - schon 54 Mitglieder umfaßte. Auch sie gingen an den Start, wenn die Wettkampfabteilung zu Schwimmfesten nach Münchberg, Coburg, Kulmbach, Marktredwitz, Hof, Weiden, Naila und Schwarzenbach fuhr. Schon damals wurden einige schöne Erfolge errungen. Ebenso wurde mit den Vereinen in Plauen und Eger ein reger sportlicher Wettkampf gepflogen.
Wie kam man damals dorthin? Näher gelegene Orte wurden mit dem Fahrrad erreicht. Zu ferneren Orten gelangten die Schwimmer mit einem LKW, auf dem sich Holzbänke befanden. Ordentlich durchgeschüttelt ging man an den Start und freute sich, daß man nach der Veranstaltung nicht das Fahrrad besteigen mußte um nach Selb zurück zu fahren.
Unsere Springer hatten ihre helle Freude an dem Drei-Meter-Turm - mit einer Rutschbahn daneben! - der dort stand, wo heute die Dogge ist. Doch noch im Jahre seiner Entstehung blies ihm ein unwahrscheinlich starker nächtlicher Sturm das Lebenslicht aus. Als die Mitglieder am Morgen zu ihrem Teich kamen, glaubten sie zunächst, Holzdiebe hätten ihn gestohlen. Doch dann fanden sie am anderen Ende im Schilf die kläglichen Überreste. Diese kleine Katastrophe konnte den Schaffensdrang der Mitglieder nicht lähmen. Man kaufte Holz für einen größeren Turm und wieder wurde gebaut. Viele Jahre war der hölzerne Zehn-Meter-Turm der Stolz der Mitglieder und das Wahrzeichen des Waldbades.
Im Jahre 1923 war der „Lange Teich“ in den Besitz der Firma Heinrich übergegangen. Neue Verhandlungen waren notwendig geworden. In großzügiger und dankenswerter Weise erklärte sich Frau Kommerzienrätin Jette Heinrich und ihr Gemahl bereit, ebenfalls gegen eine geringe Pachtsumme dem 1. WSV den „Langen Teich“ für viele Jahre zu überlassen. So war der sportliche Werdegang des Vereins gesichert und die passiven Mitglieder behielten einen Platz der Erholung und Entspannung, wie er in der nahen und weiteren Umgebung einmalig ist.
Der Betätigungsdrang der Mitglieder, diese herrliche Anlage immer attraktiver zu gestalten, kannte keine Grenzen. Die damalige Vorstandschaft brauchte die Mitglieder nicht erst lange zu bitten, einen kleinen Kiosk zu errichten. Freiwillige Helfer erstellten ihn unter den Birken nahe dem heutigen Kassenhäuschen. Ach ja, Eintritt mußte ja auch erhoben werden! Der „Müller’s Stops“, unser Bademeister, (Vater des späteren Bademeisters Georg „Schorschini“ Müller), kassierte 10 Pfennige von jeden Badegast. Davon durfte er einen Pfennig als Entlohnung für seine Arbeit behalten. Das waren noch Zeiten!!
Dort, wo sich heute der Brunnen befindet, hat der 1. WSV für seine Mitglieder einen Barren, ein Reck, ein Rhönrad, mehrere Hanteln und andere Geräte zum Turnen zur Verfügung gestellt. Dazu kamen noch Sportgeräte, die einige Mitglieder privat dem Verein zur Verwendung überlassen hatten.
Im Winter war der „Lange Teich“ der Treffpunkt der Eisstockschützen und der Eishockeyspieler. Wie herrlich schmeckte nach dem unterhaltsamen Sport der von den Frauen gebraute Grog. So fanden die Mitglieder des Wassersportvereins im gesamten Jahreslauf die Möglichkeit der sportlichen körperlichen Betätigung. Das hielt die Mitglieder zusammen und mehrte deren Zahl.
Es traf alle hart, als im Jahre 1933 sowohl vereinseigene als auch die privaten Sportgeräte von der NSDAP beschlagnahmt wurden. Wir erhielten keine Entschädigung dafür!!
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Auflösung - Enteignung - Wiedergründung
Kurz kann die Zeit des „befohlenen“ Sportes nach 1933 geschildert werden. Der 1. Wasser-sportverein Selb wurde aufgelöst, das Inventar und die Akten beschlagnahmt. Das Waldbad „Langer Teich“ wurde von der Stadt übernommen - mit all den von den Mitgliedern geschaffenen Werten.
Es wurde nun nach Möglichkeiten gesucht, wie der Schwimmsport weiter betrieben werden könnte. Man versuchte es mit einem Anschluß an den Sportclub Olympia. Eine kommissarische Vorstandschaft, die sich aus den Herren Karl Nerb, Harry Künzel und Otto Schattner zusammen-setzte, gliederte die Schwimmer in die Turnerschaft ein. Als dann alle Vereine gleichgeschaltet wurden, gab es im „Verein für Leibesübungen“ - einem neu geschaffenen Großverein - auch eine Sparte Schwimmen. Der 2. Weltkrieg sah viele Mitglieder an der Front und zurück blieben einige wenige und die Frauen. Der Wettkampfbetrieb kam völlig zum Erliegen. Dies sollte aber nur ein Dornröschenschlaf sein.
Nach dem Krieg war Otto Schattner die treibende Kraft zur Wiedergründung des WSV. Eine erste Besprechung fand im Herbst 1946 in der Gaststätte „Povenzia“ statt. Drei politisch nicht vorbelastete Mitglieder erklärten sich bereit, die Satzung, die in fünffacher Ausfertigung den Alliierten vorgelegt werden mußte, zu unterschreiben: Bayreuther, Riedel und Veit. Nachdem die Erlaubnis zur Wiedergründung des Vereins von der alliierten Kommandantur eingegangen war, beriefen Otto Schattner und Hermann Müller die Gründungsversammlung für den 18. Juli 1947 in den „Goldenen Stern“ (heute Pizzeria „Rimini“) ein. Viele ehemalige Mitglieder und neue Interessenten fanden wieder zusammen. Sie dokumentierten den Willen, den WSV wieder entstehen zu lassen. Bei den Wahlen zur Vorstandschaft wurde mit großer Mehrheit Hermann Müller zum 1. Vorsitzenden nominiert. Mit großem Geschick verstand er es, das Vereinsleben zu aktivieren.
Er war einer der Männer - selbst begeisterter Schwimmer und Springer -der seine gesamte Freizeit dem WSV widmete! Die Erfolge blieben ihm auch nicht versagt.
Der „Lange Teich“ war dem Verein - wie gesagt - genommen worden, die Stadt Selb war seit 1934 Pächter der Anlage. Als kleine Wiedergutmachung für die materiellen Verluste erklärte sich die Stadt Selb bereit, dem WSV an zwei Abenden in der Woche für Trainingszwecke das Bad zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus erhielten und erhalten 12 Schwimmer der Wettkampfabteilung Freikarten für die gesamte Sommersaison. Für zwei Sonntage im Jahr darf der Erste Wassersportverein das Waldbad für Schwimmwettkämpfe kostenlos bekommen. Er muß nur die notwendigen Gebühren an die Stadt entrichten. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, daß bei schlechtem Wetter die zu zahlenden Gebühren manchmal um ein Erhebliches die Eintrittsgelder übersteigen.

Nachtder 1000 Lichter??
Einige Jahre schlechtes Wetter zu den vom WSV angekündigten Clubkämpfen ließ schon das geflügelte Wort in Selb entstehen: „Am Sonntag darf sich keiner etwas vornehmen, da hat der WSV sein Schwimmfest. Da regnet es!“ Aber wir hatten - um ehrlich zu sein - auch schon gute Einnahmen, die uns erlaubten, unsere Aktiven auf die ihnen zustehenden Meisterschaften zu entsenden.